Ein Tag im Leben einer OT-Penetrationstesterin
Autorin: Dominika Rusek Jonkers ist Senior Security Specialist bei Bureau Veritas Cybersecurity. Sie verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung im Bereich der industriellen Cybersicherheit. Ihre umfassende Expertise umfasst technische Assessments von Industrial Control Systems (ICS), Penetrationstests, Tactical Network Exploitation (TNE) sowie die Implementierung von Abhilfemaßnahmen. Erfahren Sie mehr über Dominika.
„Der Tag beginnt früh, mit einer Tasse Kaffee in der Hand mache ich mich auf den Weg zu einem Produktionsstandort. Die Fahrt ist meine Zeit zum Planen – ich stelle mir den bevorstehenden Tag vor und informiere mich über einen Podcast über die neuesten Nachrichten. Die heutige Aufgabe: ein Assessment der Betriebstechnologie (OT) für einen Kunden, der sein Produktionsnetzwerk modernisieren und absichern möchte.“
Ankunft und erste Eindrücke
„Ich fahre auf den Parkplatz, absolviere die vorgeschriebene Sicherheitsüberprüfung, hole meinen Besucherausweis ab und entdecke meinen Kollegen. Gemeinsam treffen wir den Werksleiter. Das einleitende Gespräch gibt den Ton vor: Man ist besorgt über die Netzwerksegmentierung und den mangelnden Überblick darüber, wer für welchen Teil der OT-Sicherheit verantwortlich ist – hinzu kommt der wachsende Druck seitens der Unternehmenszentrale, die Sicherheit zu verstärken.“
Verbindung zum OT-Netzwerk
„Wir konfigurieren die Überwachungssonde so, dass sie den Netzwerkverkehr passiv erfasst, und begeben uns in den Kontrollraum, um sie an den OT-Switch anzuschließen. Schon bald fließen Daten und geben erste Einblicke in dieses komplexe Ökosystem.
Während die erste Erfassung läuft, sprechen wir mit den Technikern vor Ort – den Helden, die diesen Betrieb am Laufen halten. Sie erläutern uns die Kritikalität verschiedener Systeme im OT-Netzwerk, die Vorgehensweisen bei Fernzugriffen, Backup-Routinen und bekannte Eigenheiten des Netzwerks. Ihre Erkenntnisse helfen uns dabei, unsere Penetrationstests auf die Ziele mit der größten Auswirkung zu konzentrieren und später Schwachstellen mit tatsächlichen Betriebsrisiken in Verbindung zu bringen.
Nachdem der Umfang vereinbart wurde und wir erste Erkenntnisse aus der Überwachungssonde gewonnen haben, packen wir unsere Ausrüstung aus. Mit Zustimmung des Werksteams schließen wir unsere Laptops an einen dafür vorgesehenen Switch-Port an, richten eine statische IP-Adresse ein und gelangen so ins OT-Netzwerk. Unser Ziel: aufzudecken, was hier wirklich vor sich geht, und zu ermitteln, wo die Sicherheit verbessert werden kann.
Wir beginnen mit gezielten Erkundungen und Tests, führen Scans der Netzwerkkonnektivität durch, überprüfen die Konfiguration ausgewählter Hosts und analysieren das OT-Active-Directory.“
Ein Anruf aus dem Außendienst
„Am Vormittag vibriert mein Handy. Ein Kollege aus einem anderen Projekt berichtet, dass ein Kunde böswillige Implantate in seinen OT-Systemen vermutet, die möglicherweise von einem Dritten eingeschleust wurden. Aus Angst vor Produktionsausfällen zögert der Kunde, Nachforschungen anzustellen. Wir tauschen Vorgehensweisen aus – wir beginnen mit einer nicht-intrusiven Datenverkehrsanalyse, ermitteln die Basis-Firmware-Versionen und priorisieren kritische Steuerungen. Wir vereinbaren einen Besuch für nächste Woche – eine solche projektübergreifende Zusammenarbeit ist es, die unser Team auf Trab hält.“
Mittagessen mit dem Team
„Gegen Mittag mischen wir uns unter die Gäste in der Kantine – eine lebhafte Mischung aus Arbeitskleidung, Anzügen und Schutzhelmen. Diese informellen Gespräche verraten mehr als jedes Diagramm: eine Maschine, die sich auf mysteriöse Weise neu startet, einen unerwünschten WLAN-Scanner, an dessen Installation sich niemand erinnern kann, und subtile Dynamiken rund um die Frage, wer in der Fertigung tatsächlich für die Sicherheit verantwortlich ist. Bei einem Teller Pasta erhalte ich Einblicke, die in einer formellen Besprechung niemals zur Sprache kommen würden.“
Werksrundgang und Analyse vor Ort
„Nach dem Mittagessen legen wir unsere PSA an und begleiten einen Werksingenieur auf einem Rundgang durch das Werk. Vorbei an Leitständen, Förderbändern und Roboterarmen scanne ich nach unerwünschten WLAN-Signalen – nicht genehmigte Zugangspunkte sind nach wie vor eine hartnäckige Schwachstelle in der OT. Wir notieren Bereiche, in denen physischer Zugriff digitale Steuerungen untergraben könnte – eine Erinnerung daran, dass Cybersecurity in der OT oft schon an der Tür beginnt.“
Daten in Strategien umsetzen
„Zurück im Kontrollraum hat die Überwachungssonde mehrere Befunde mit hohem Schweregrad zutage gefördert: unzureichende Segmentierung, OT-Systeme mit unkontrollierten Internetverbindungen, Geräte mit mehreren Netzwerkanschlüssen, die Netzwerkzonen überbrücken, sowie unnötige Protokolle auf sensiblen Endgeräten. Wir setzen uns mit den IT- und OT-Teams zusammen, um Maßnahmen zur Behebung der Mängel zu entwerfen. Die Herausforderung: die Sicherheit zu stärken, ohne die Produktion zu unterbrechen. Governance wird zum wiederkehrenden Thema: Es geht darum, Zuständigkeiten und Prozesse zu definieren und festzulegen, wie Sicherheit in den täglichen Betrieb integriert werden kann, anstatt sie als einmalige Korrekturmaßnahme zu behandeln.“
Abschluss
„Als sich der Tag dem Ende zuneigt, holen wir die Sonde ab, entwirren die Kabel und machen uns auf den Weg. Die Anlage leuchtet im Licht der untergehenden Sonne, während ich über die weiteren Schritte nachdenke: die Erstellung eines Berichts, der umsetzbar, realistisch und auf die betrieblichen Rahmenbedingungen der Anlage abgestimmt ist.
Auf der Heimfahrt klingelt mein Telefon erneut – ein weiterer Kollege, diesmal wegen einer bevorstehenden Konferenz in der Branche. Wir bereiten einen Vortrag über neue OT-Bedrohungen vor: Angriffe auf die Lieferkette, mit der Cloud verbundene industrielle Assets und Strategien zur Überbrückung der Kluft zwischen IT- und OT-Teams. Als ich meine Einfahrt erreiche, fühlt sich der Tag erfüllt an – technische Rätsel gelöst, sinnvolle Gespräche geführt und ein weiterer Schritt zur Sicherung kritischer Infrastrukturen getan.“
Hinweis: Die Bilder in diesem Blog wurden mit Zustimmung des Autors durch KI generiert. Es handelt sich um eine kreative Interpretation zu Illustrationszwecken, die keine exakte Darstellung realer Ereignisse, Menschen oder Orte darstellen soll.
Über Dominika
Dominika Rusek Jonkers ist Senior Security Specialist bei Bureau Veritas Cybersecurity. Sie verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung im Bereich der industriellen Cybersecurity.
Ihre umfassende Erfahrung umfasst technische Assessments von Industrial Control Systems (ICS), Penetrationstests, Tactical Network Exploitation (TNE) sowie die Implementierung von Programmen zur Verbesserung der industriellen Sicherheitslage. Dazu gehören die Implementierung von ICS-Überwachungslösungen sowie die Entwicklung robuster Strategien zur Netzwerksegmentierung. Zu Dominikas Kompetenzen gehören zudem das Hardware-Hacking an IoT-/IIoT-Geräten sowie die fortgeschrittene Bedrohungssuche in ICS-Netzwerken.
Ihre Leidenschaft für den Wissensaustausch zeigt sich in ihrer Rolle als Trainerin, in der sie dynamische Trainings zu Themen wie Grundlagen der OT-Sicherheit, Methoden zum technischen Assessment von ICS sowie Intensivtrainings zur ICS-Überwachung leitet.
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Wir sind in IT-, OT- und IoT-Umgebungen tätig und unterstützen sowohl digitale Systeme als auch vernetzte Produkte. Mit über 300 Cybersicherheitsexperten weltweit verbinden wir fundiertes technisches Fachwissen mit einer globalen Präsenz. Bureau Veritas Cybersecurity ist Teil der Bureau Veritas Group, einem weltweit führenden Unternehmen im Bereich Prüfung, Inspektion und Zertifizierung.